Tantramassage: liebevolle, achtsame Erotikmassage mit Verehrungsritualen

Tantra-Massage
Tantramassage (Foto: Ausschnitt aus dem Cover des Buches Tantra Massage, Kalashatra Govinda)

Die Tantramassage ist eine liebevolle und achtsame Erotikmassage, bei der neben der Massagetechnik diverse Verehrungsrituale eine besondere Rolle spielen. Die Tantramassage kann auch als rituelle Berührungskunst beschrieben werden, für die Sinnlichkeit und deren Erweiterung zentrale Aspekte sind.

Bei der Tantramassage wird der gesamte Körper massiert und berührt. Der Intimbereich wird behutsam mit einbezogen. Zum Geschlechtsverkehr kommt es bei der Tantramassage nicht – weder genital noch oral. Die Intimmassage der Geschlechtsteile bzw. ihrer erogenen Zonen wird bei der Frau Yoni-Massage und beim Mann Lingam-Massage genannt.

Das Ziel der Tantramassage ist zunächst die allgemeine Entspannung des Menschen – mit Körper und Geist. Außerdem soll ein orgasmischer Zustand erreicht, erhalten und möglichst ganzkörperlich erfahrbar gemacht werden. (1)

Die Tantramassage wurde Mitte der 1980er Jahre aus dem westlichen Neo-Tantra entwickelt. (1, 2)

Entstehung von Tantra und Tantramassage

Ursprünge des Tantra und Interpretation im Westen

Tantra geht auf die frühen Kulturen des Industals zurück (ca. 2.800 bis 1.700 vor unserer Zeitrechnung). Dabei spielen matriachale Kulturen eine besondere Rolle, die von sehr viel Spiritualität durchdrungen waren.

Durch (gewaltsame) Einflüsse anderer Kulturen sind das Bramahnentum und daraus wiederum der Hinduismus entstanden. So wurden auch die tantrischen Rituale und Lehren über die Zeit verändert bzw. weiterentwickelt. Es entstanden zahlreiche Ausprägungen und Sekten, die sich teilweise sogar feindlich gegenüberstanden.

Im weiteren Verlauf übte auch der Buddhismus einen Einfluss auf das Tantra aus. In dieser veränderten Form gelangte Tantra nach Tibet.

Erst im 19. Jahrhundert gelangten Fragmente des Tantra durch Handelsreisende, Kolonialisten, Ethnologen und Missionare in die westlichen Kulturen. Hier wurden sie allerdings oft missverstanden.

Brustmassage
Brustmassage während einer tantrischen Massage (Foto: aus der DVD Yoni- & Lingam-Massage, Busch Production)

Schließlich gelang es dem indischen Mystiker Osho das Tantra in den 1980er Jahren für die westlichen Menschen verständlich zu erklären. Er erzielte eine große Breitenwirkung des Tantra. Die meisten Tantraschulen des Westens gehen auf seine Rezeption bzw. Interpretation von Trantra zurück. (1)

Entwicklung der Tantramassage

Die Tantramassage wurde in den Tantraschulen des Neo-Tantra entwickelt. (1, 2) Vor allem die Arbeit des Tantrameisters Andro Andreas Rothe prägt noch heute fast alle Tantramassagen. In den Massage-Instituten sowie Massageausbildungen wurde und wird die Tantramassage auf Basis seines Schaffens weiterentwickelt und verändert. (1)

Charakteristiken der Tantramassage

Tantramassage lehnen sich an die geistigen Grundhaltungen an, die in allen Ausprägungen des Tantra zu finden sind. Im Folgenden werden Haltungen und Aspekte erläutert, die die Tantramassage, insbesondere den tantrisches Aspekt in ihr, charakterisieren (1>):

Ritual

Begrüßung zum Tantra
Begrüßung zum Tantra (Screenshot aus der DVD Anleitung Prostata-Massage, Dirk Liesenfeld)

Die Tantramassage folgt einem festgelegten Ablauf, der einem Ritual ähnelt. Die dadurch entstehende Struktur verleiht dem Masseur Sicherheit und Autorität. Es geht nicht um individuelle Massagegriffe, so dass die Massage einen objektiveren Charakter hat. (1)

Verehrung und transpersonale Begegnung

Die grundsätzliche Einstellung bzw. Haltung bei der Tantramassage ist die Verehrung. Frau (Shakti) und Mann (Shiva) werden als göttliche Wesen angesehen und entsprechend achtungsvoll behandelt – unabhängig von Raum und Zeit. Dadurch entsteht ein Gefühl des „Angenommen-sein“. Man wird so akzeptiert und geschätzt, wie man ist.

In einem festlichen Rahmen treten Masseurin und Massagegast aus dem Alltagsgeschehen heraus. Verehrungsformeln werden gesprochen, die das folgende Geschehen in eine sakrale Handlung verwandeln. Shiva und Shakti zelebrieren ihren Körper, um die Sinnlichkeit in Würde und Schönheit zu genießen. (1)

Ganzheitlichkeit

Lingam-Massage
Lingam-Massage bei Kerzenschein (Foto: aus der DVD Yoni- & Lingam-Massage, Busch Production)

Ein weiterer tantrischer Aspekt ist die Ganzheitlichkeit. Es wird kein Körperteil ausgespart und auch die Sexualität wird integriert. Ganzheitlichkeit bedeutet auch, dass alle Ergebnisse der Tantramassage in Ordnung sind: Atem, Bewegung, Tränen, Ejakulation, Orgasmus – aber auch keines davon. In der Tantramassage gibt es keinen Leistungsdruck: Ejakulation, Emotionen oder ein Orgasmus werden nicht erwartet. (1)

Sexualität als Lebenskraft

Ganzkörperkontakt bei der Tantramassage
Bei der Tantramassage kommt es zum Ganzkörperkontakt zwischen Masseurin und Massagegast (Screenshot aus der DVD Anleitung Prostata-Massage, Dirk Liesenfeld)

Sexualität ist in der westlichen Welt fast immer mit anderen Themen verknüpft: Liebe, Beziehung, Ehe, Macht, Geld, Besitzdenken oder auch Politik.

Hingegen geht es in der Tantramassage um die Sexualkraft an sich. Die sexuelle Energie soll gespürt, erfahren und in Lebenskraft verwandelt werden. Allerdings soll die Sexualität auch nicht instrumentalisiert werden: sie soll nicht als Mittel zur spirituellen Erleuchtung dienen sondern so sein, wie sie ist: sinnlich, lustvoll und auch übersinnlich. (1)

Ziele und Einsatzbereiche der Tantramassage

Eine Tantramassage kann unterschiedliche Ziele verfolgen – je nach Präferenz und Konstellation. Im Folgenden werden einige Ziele aufgezählt und kurz erläutert. (1)

Entspannung

Die Tantramassage ist eine Ganzkörpermassage mit sanften, behutsamen Massagegriffen: es wird hauptsächlich mit oberflächlichen, streichenden Bewegungen massiert. Muskuläre Verspannungen werden nicht direkt behandelt, wie zum Beispiel bei der klassischen Massage oder einer Sportmassage. Schmerzende Handgriffe werden dadurch minimiert, so dass sich Körper und Geist entspannen können.

DVD-Anleitung Tantramassage | Massage-Expert Shop

Grundvoraussetzung für die Entspannung während einer Tantramassage ist ein entsprechendes Ambiente mit Duft (z. B. durch ätherisches Ylang-Ylang-Öl), gedämpftem Licht und einer angenehmen Raumtemperatur von mindestens 23 °C. (3)

In diesem Kontext entsprechen die Einsatzgebiete der Tantramassage denen einer Entspannungsmassage (z. B. Hot Stone Massage).

Paartherapie – Stärkung der Beziehung

Wenn die Tantramassage als Partnermassage ausgeführt wird, kann sie die Beziehung des Paares stärken und als Paartherapie eingesetzt werden.

Die sinnlichen Berührungen und der respektvolle Umgang miteinander schaffen Vertrauen. Beim Empfänger kein ein tiefes Gefühl von „Angenommen-sein“ bewirkt werden. (1, 4) Es werden starke Gefühle und Emotionen ausgelöst, die das Paar näher zusammen bringt und (wieder) „zusammenschweißen“.

Stärkung der Sexualität

yoni-massage
Yoni-Massage bei Kerzenschein (Foto: aus der DVD Yoni- & Lingam-Massage, Busch Production)

Bei der Tantramassage werden starke sexuelle Spannungen aufgebaut. Es wird auch von orgasmischer Energie gesprochen, die geweckt, erhalten und in den ganzen Körper gebracht werden soll (1). Der Empfänger soll die sinnlich-sexuellen Gefühle unmittelbar an sich selbst spüren und diese sich weiter entfalten lassen.

In diesem Zusammenhang kann die Tantramassage bei folgenden Indikationen hilfreich sein:

  • Impotenz
  • Präcox
  • übermäßige Schüchternheit
  • temporäre sexuelle Unlust
  • Verunsicherung durch Krankheit oder Operation
  • Schwangerschaft

Frauen und auch Männer können durch den Aufbau der sexuellen Spannungen einen intensiveren Orgasmus bekommen, in dem die sich die sexuellen Gefühle entladen. Dies gilt auch, wenn sexuelle Handlungen nicht unmittelbar auf die Tantramassage folgen.

Prinzipien für die Durchführung einer Tantramassage

Für die Durchführung einer Tantramassage gelten die folgenden Prinzipien bzw. Eckpunkte:

  • Es wird einem fest vorgegebenen Ablauf bestimmter Grundelemente gefolgt.
  • Der Ablauf wird von der Masseurin bestimmt, einzelne Anwendungen können vom Massagegast auf Wunsch ausschließen.
  • Masseurin und Massagegast sind vollkommen nackt.
  • Es finden ganzkörperliche Kontakte statt.
  • Der Massagegast darf die Masseurin berühren, bleibt aber rezeptiv.
  • Sexuelle Wünsche werden nicht thematisiert. (1)

Quellenverzeichnis

  1. Tantramassage-Verband.de: Tantramassage, abgerufen am 07.06.2012.
  2. Tantramassage.de: Was ist Tantra?, abgerufen am 07.06.2012.
  3. Massage-Expert Portal, Massageanleitung: Massagevorbereitung, abgerufen am 07.06.2012.
  4. dakinimassagen.de: Startseite, abgerufen am 07.06.2012.

MH

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